Geschichte

Azille, wie auch die umgebenden Dörfer, verbirgt an vielen Plätzen die Zeugnisse der Zivilisationen, die von der Frühgeschichte bis heute aufeinander gefolgt sind. Die Feuerbestattungsgräber der Eisenzeit, deren Grabungsergebnisse sich im Museum von Olonzac befinden, die außergewöhnliche römische Villa auf der “Serre de Billery”, deren Statue des Satyrs Marcyas im archäologischen Museum von Narbonne ausgestellt ist, sowie viele andere Plätze, die auf dem Gebiet von Azille gefunden wurden. Bis heute können wir allerdings aufgrund fehlender Dokumente nicht das Datum feststellen, an dem Azille definitiv an seinem heutigen Platz gegründet wurde.

Im Mittelalter ist Azille eine der bedeutendsten Städte der Erzdiözese Narbonne. Im Laufe des 14. Jahrhunderts bereichert sich Azille um die Kirche St. Julien, die mit dem Domkapitel von St. Just in Narbonne verbunden war, und um zwei Klöster: die Cordeliers (Franziskaner) und das königliche Kloster von St. Claire. Außergewöhnlich ist, daß Azille, ohne Bischofsstadt zu sein, zwei Gemeinden besitzt, St. Julien und St. André. Die Gemeinde St. André, von der heute nur noch die Ruinen und der Name eines Stadtviertels bleiben, war ab 1096 mit St. Jaques in Béziers verbunden, ab 1118 gehörte sie zum Kloster Lagrasse und schließlich zu St. Sébastien in Narbonne. St. Julien ist unter anderem der Sitz des Erzpriesters für das Minervois. Im 14. Jhd. erhält Azille den Titel “comté” (Grafschaft): Azilhan lo Comtal, so hieß die Stadt bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Freie Stadt seit 1483, gehört sie der Krone, weshalb die Embleme des Stadtwappens die des Königs sind. Sie wird von ihren selbst gewählten Konsuln verwaltet.

Auf einer Felskante errichtet, umgibt sich Azille mit einer Befestigungsmauer, die mit mehreren Toren, sowie runden und rechteckigen Türmen versehen ist. Nachdem die Altstadt in ihrer Umfassung zu eng geworden ist, werden mehrere Vorstädte errichtet, wovon die älteste im Osten, vor dem Tor Richtung Narbonne, auch von einer Mauer umgeben wird.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts besaß Azille, welches auch vom Glauben der Katharer erreicht wurde, ein “Haus der Perfekten”, welches im Laufe des Kreuzzugs verschwindet. Ab 1289, also 63 Jahre nach dem Tode des Franz von Assisi, eröffnen die “kleineren Brüder” oder Cordeliers (Franziskaner) ein Kloster in der nördlichen Vorstadt. Etwas später (1331) richtete sich ein Klarissen-Kloster in den Mauern der Stadt ein.

Die Wirtschaft stützte sich traditionellerweise auf den Getreideanbau: der Weizen aus Azille war der geschätzteste des Minervois, noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Weitere Säulen waren das Olivenöl, wobei die Gemeinde der größte Produzent der Region war, und schließlich der Wein. Die vielen Quellen und Brunnen gestatteten den Gerbern und Tuchwebern ein gutes Auskommen.
Im Herzen des Minervois gelegen, zieht die Altstadt von Azille mit ihren berühmten Märkten auch die kleinen Produzenten der Montagne Noire an.

Am Ende des 19. Jahrhunderts entwickeln sich mit der Ankunft der Eisenbahn der Handel und die Industrie weiter. Es werden daher die schönen bürgerlichen Prachtbauten errichtet, die an der Promenade zu sehen sind: Das Château Gallimard, wo sich der Musiker César Franck aufhielt, das Château Raymond, die Häuser Mignards und Auzoulat mit ihren interessanten Dekors aus Terrakotta.

Stolz auf seine Vergangenheit, unternimmt Azille heute Anstrengungen, sein historisches Erbe an Gebäuden und im Weinbau zu bewahren, im Herzen der Zone der Appellation Minervois und des Ölanbaus.

Der Canal du Midi, der 1666 von Pierre-Paul Riquet erbaut wurde, Weltkulturerbe, durchquert auf 4 km die Gemeinde. Im Teil von Azille finden wir eine Doppelschleuse und die Riquet-Brücke bei Jouarres.

Kunst und Kulturerbe

St. Etienne de Tersan bei Vaissière: Diese außergewöhnliche vor-romanische Kirche besitzt den Grundriß einer dreischiffigen Basilika mit drei Apsiden. Das dreigeteilte Schiff und die beiden kleinen Apsiden stammen aus dem 10. Jhd. Im 11. Jhd. wurde ein Teil der Bögen der Kirchenschiffe gebaut. Die große Apsis wurde im 12. Jhd. vom Meister von Cabestany ersetzt.

Die Pfarrkirche St. Julien und St. Basilisse (14.Jhd.): sie ist ein bemerkenswertes Beispiel der Gotik im Midi mit einem einzigen großen Schiff aus drei Gewölbejochen mit Spitzbögen und großer gekanteter Apsis. Der Glockenturm ist 36 Meter hoch. In der Kirche befindet sich eine Jungfrau mit Kind, eines der schönsten Beispiele gotischer Bildhauerkunst des 14. Jahrhunderts im Süden Frankreichs. Sie wurde schon zwei Male in großen nationalen Ausstellungen gezeigt.

Die Quelle St. André: sie sprudelt aus einem gotischen Gemäuer des 14. Jahrhunderts, überwölbt von sich kreuzenden Spitzbögen. Ihr Name erinnert an die Gemeinde, die im 11. Jhd. existierte und 1791 aufgelöst wurde.

Das alte Presbyterium: offenbar Sitz der Erzpriester (Touristenbüro): schöner Saal mit einer Decke die von verzierten Dreikantbögen getragen wird.

Das königliche Kloster von St. Claire: entweiht und verkauft während der Revolution. Man kann einige Überreste in der alten Bäckerei Chabbert sehen. Die Klarissen sind 1891 nach Azille zurückgekommen und haben ihr Kloster an der Straße nach La Livinière gebaut.

Das Kloster der Cordeliers (Franziskaner): gegründet im 13. Jhd. wurde es ebenfalls während der Revolution verkauft. Viele Überreste in Privathäusern. Viele der ornamentierten Steine in den Häusern der Stadt kommen ohne Zweifel von dort. Die Bögen des Kirchenschiffs kann man von der Allee Pol Lapeyre sehen.

Die Befestigungsanlagen des Mittelalters: teilweise im 18. Jhd. zerstört, wurde der größte Teil in Häuser eingebaut, die davor errichtet wurden. Wir können der Linie auf den Boulevards folgen, die auf dem zugeschütteten alten Graben verlaufen. An verschiedenen Punkten sind Fragmente sichtbar, besonders am Touristenbüro.

Die Zeugen der großen Weinepoche: die Reife-Kellerei von Jouarres, das neugotische Château und sein Portal nahe der Kanalbrücke, das Château Floris im Stil der Neo-Renaissance.

Die Weinfelder an den Wasserläufen

Das Gebiet von Azille hat 2000 ha und schließt 13 Domainen ein: Jouarres ist eine der letzten Kellereien des 19. Jahrhunderts mit Holzfässern. Das Gebiet der Domaine wird vom Canal du Midi durchquert, von der Aude und dem Flüßchen Aiguille, sowie von einer römischen Straße zweiter Ordnung nahe bei Fans. Die Domäne des Hameau (Weilers) de Jouarres, nahe dem Lac (See) von Jouarres, der heute zu einem Freizeitzentrum ausgebaut worden ist.

Les Cascals, mit seinem spektakulären Aquädukt und La Pompe, zwischen Aude und Canal du Midi. Les Fans welches früher (1700) dem Seigneur de Maissac de Gazel gehörte. Sainte Marie an dem Ufern des Canal du Midi und Saint Julien, bekannt für seine Bio-Produkte.

Das Château von Floris an der Straße nach Rieux, bekannt seit 1536. Massiac, ein Lehen, welches 1697 eingerichtet wurde. Vaissière und seine Kirche aus dem 12. Jhd. in St. Etienne de Tersan, nahe dem Fluß Argent Double. La Chouppe, la Rèze, und les Salices, die früher den Klarissen gehörten.

Das Gebiet von Azille hat auch einen außergewöhnlichen Reichtum an einer typisch mediterranen Fauna und Flora.
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